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Naturverbindung & Selbstverbindung

Ankommen, Entspannen und Verankern & Gedanken zu Samhain

Die Natur und der Wald, generell das Draußen-Sein, sind von klein auf an bis heute große Ressourcen für mich und natürlich auch für viele, viele andere Menschen. Nach meinem 25jährigen Forschen, Studieren, Umsetzen und Ausprobieren verschiedenster Lehren und Forschungsgebiete, kann ich heute besser verstehen, wie eng wir Menschen mit der Natur und deren Kreisläufen verbunden sind.

Ich hoffe, dass dieser Blogartikel dir vielleicht einerseits Verständnis für dich bringt und vielleicht kann er mit seinen zwei enthaltenen Übungen auch eine kleine Hilfestellung auf deinem Weg der Selbstverbundenheit sein. Und natürlich wollen wir dir gerne ein paar Gedanken zu Samhain und dieser dunkle Jahreszeit zur Verfügung stellen – Wissen, das uns seit vielen Jahren in unserer Naturverbindung und Selbstverbindung hilft.

Im Betrachten und im Wahrnehmen der Natur vollziehen sich – so meine Erfahrung – innere Erkenntnisprozesse. Oft läuft dies sogar ganz unbewusst ab, beispielsweise, wenn jemand einfach weiß: „Wenn es mir nicht gut geht, mache ich einen Waldspaziergang und danach geht es mir immer schon viel besser.“ Immer wenn wir uns in der Natur aufhalten, wirkt das positive, leuchtende Feld der Natur auf uns ein – wie ein Dialog zwischen Innen und Außen. Auf meinen Spaziergängen nutze ich dies bewusst.

Praktische Übung: Innen – Außen

Ich laufe eine Zeitlang in dem Gewahrsein des „Außen“ (und nehme den Wald, die Geräusche, die Luft, den Boden unter meinen Füßen…. wahr). Wichtig ist es, den Körper und die Sinneswahrnehmungen als „Anker“ wirklich ernst zu nehmen. Diese bringen mich ganz ins Hier & Jetzt. Mein Bewusstsein ist also auf Wahrnehmung ausgerichtet, auf „Außen“ und ich bin auch ganz „da“ dafür. Währenddessen begebe ich mich innerlich in eine Art  „Beobachterhaltung“ und nehme den Fluss meiner Gedanken und Gefühle war. Ich  „schaue“, was da so ist, wie es mir geht, welche Gedanken und Gefühle in mir sind. Es ist wichtig, dies einfach mal wahrzunehmen, ohne es ändern zu wollen. Zumal Gefühle und Gedanken ohnehin sehr veränderlich und vergänglich sind. Ich verstricke mich nicht in Inneres, sondern trete nach einer kleinen Zeit ganz bewusst wieder in Kontakt mit der „Außen-Wahrnehmung“. Dieses Wechselspiel aus äußerem und innerem Gewahrsein möchte ich dir hiermit sehr ans Herz legen! Es ist wie ein Mitfließen, mal so, mal so. So wie ein Wechselspiel zwischen Tag und Nacht, Zeiten der Aktion und des nach Außengehens und Zeiten der Ruhe und Stille und Einkehr. Ich bin Wahrnehmender der sich verändernden Zustände im Innen wie im Außen.

Bei diesem „Wechselspiel“ ist es sehr wichtig, auch wirklich in die Außenwahrnehmung „reinzugehen“ und sein Inneres mal loszulassen. Das hat folgenden Hintergrund:  

Hintergrund-Info

Evolutionär sind wir darauf angelegt, Gefahren als erstes wahrzunehmen und zu erkennen und auch Schmerz zu vermeiden. Dies entspricht unseren tieferliegenden Hirnschichten. So kann ich auch verstehen, dass in der heutigen Gesellschaft die ganzen Angst-Themen so viel Anklang finden und sich diese Angstfelder in den Köpfen der Menschen verfestigen. Doch fast alle unsere Sorgen und Ängste beziehen sich auf die Zukunft oder entspringen Erzählungen oder Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Wenn du dann aber im Wald bist und das Außen wahrnimmst (also völlig in die Wahrheit nimmst, wie die Natur dort, wo du gerade bist, ist, wie da die Bäume stehen, die Pflanzen wachsen, was du riechst, fühlst, siehst….),  dann erkennst du bewusst oder unbewusst: okay, ich bin hier gerade an diesem Ort und alles ist auch gerade in Ordnung. Es besteht keine lebensbedrohliche Gefahr. Es gibt hier keine wilden Tiere oder Menschen, auf die ich jetzt irgendwie eingehen muss oder ähnliches: es ist alles in Ordnung! In diesen Momenten wird sich dein System automatisch entspannen. Evtl. atmest du „automatisch“ dann auch einmal tief durch oder du hast eine andere kleine Körperreaktion (evtl. schon jetzt beim Lesen).  

Wenn wir uns nicht ganz bewusst auf das Außen, die Natur, konzentrieren, ist die Wahrscheinlichkeit einfach sehr hoch, dass wir in unseren Gewohnheitsmustern der mehr oder weniger beiläufigen Gedanken und Gefühlen drin bleiben. Wir werden an einigen Natur-Schönheiten vorbeigehen, ohne sie zu merken. Wir werden den ganz zarten Luftzug nicht auf unserer Haut spüren und die Vogelstimmen werden auch ungehört bleiben, solange sich nicht ein Ruf förmlich aufdrängt.

Praktische Übung: sich umschauen

Vielleicht magst du dir auch mal eine Stelle abseits des Weges suchen und dich einfach mal hinstellen und umgucken? Ganz bewusst: was siehst du? Was hörst du? Was riechst du gerade? Was schmeckst du? Gibt es eine Wahrnehmung auf der Haut? Unter den Füßen? Wie sieht der Himmel aus? Willst du vielleicht sogar Platz nehmen und dir deinen Raum nehmen?

Auch diese Übung dient des Gewahr-Werdens und der Entspannung. Einen für mich wichtigen Punkt möchte ich hier jedoch noch ansprechen:

Hintergrund-Info

Der Aufenthalt in der Natur gibt mir Gelegenheit dazu, mich aus gesellschaftlichen Themen, familiären Themen, aber auch von der Informationsflut zu lösen. Wie wäre es, mal das Mobilgerät auszuschalten und einfach „da“ zu sein im Hier & Jetzt?

Im Wald tritt die Zivilisation ein bisschen in den Hintergrund. Auch die Informationsflut (durch Medien, durch Kontakt mit anderen Menschen) kann einfach mal von mir abfallen. Ich bin. Ich bin einfach mal da, so wie ich bin. Und in meinem „Da-Sein“ in der Natur kann es dann sein, dass ich mit dem Wesen der Dinge in Berührung komme und erspüre und erahne, was für mich wichtig ist und was nicht. Wie geht es mir eigentlich? Was sind meine Bedürfnisse, Ideen, Visionen, außer Essen, Trinken, Schlafen, Schutz, Fortpflanzung und Berührung?

Der Wald, allgemein die Natur in ihrer Ausstrahlung, hilft dabei, zu „entflechten“, so dass mein Unterscheidungsvermögen geklärt wird. Dadurch, dass sich mein System entspannen kann und die „Äußerlichkeiten“ abfallen, kann ich immer mehr wahrnehmen, was ich selbst eigentlich will und brauche. Wir empfehlen dir: lerne zu unterscheiden, was ist deins und was gehört eigentlich gar nicht „in deinen Kreis“. Klar, das ist manchmal nicht so einfach, aber sicher gibt es Sachen, die sind „deins“, deine Verantwortung, brauchen deine Fürsorge usw.. Und es gibt sooooo viele andere Dinge, von denen wir gehört haben oder die uns beschäftigen, die aber nicht in unserer Verantwortung sind und an denen wir uns vielleicht „aufarbeiten“, aber nicht wirklich etwas ändern können.

Ängste, Sorgen und Ärger sind keine guten dauerhaften Begleiter, da sie dafür sorgen, dass archaische Hirnstrukturen die Regentschaft übernehmen. Wir sind dann oft nicht mehr in der Lage eine vernünftige, klare und sinnvolle Entscheidung für uns zu treffen. Eher neigen wir dann dazu, uns wie eine aufgeregte Schar Hühner zu benehmen oder wissen gar nicht mehr, was wir selbst eigentlich brauchen und wollen. Umso wichtiger ist also: entspannen, ankommen, sich mit sich verbinden. Immer wieder. Und die Natur hilft dir dabei.

Praktische Übung: Blätter schnuppern

Eine Übung, die nur Sekunden dauert, aber sehr effektiv für Erdung, Ankommen, Verankerung ist: einfach mal eine Handvoll Blätter vom Waldboden nehmen und daran riechen. Dieser Duft von Erde bringt zumindest uns sofort ins Hier & Jetzt. Der Riechsinn ist ja auch uralt und ganz eng mit unseren Instinkten verbunden. Einfach mal ausprobieren…. 🙂

Gedanken zu Samhain

Nicht umsonst wurde die Natur immer schon als große Mutter gesehen. Jetzt, wo die Abende länger werden und die Dunkelheit zunimmt, besann man sich auf die tröstende, nährende„Mutter Natur“. Dies geht aus verschiedenen Traditionen und Riten hervor (siehe weiter unten). Samhain ist der keltische Jahresbeginn. Hier kommt man auch mit der Weisheit in Berührung, dass die Keimung und jede Geburt vom Dunkeln hin zum Licht passiert – ob es eine Idee, ein Menschenkind oder das Saatkorn in der Erde ist…. Zugleich gibt es auch das Bild der inneren Sonne, des inneren Lichtes, dem ja speziell am Weihnachten gedacht wird (Geburt des Herzenslichtes, der inneren Sonne, des Retters).

Die Geborgenheit, die Mütterlichkeit und die Gewissheit eines inneren Lichtes können uns als Menschen große Tröster & Haltgeber sein, wenn wir „im Dunkeln tappen“ oder auf irgend eine Weise mit äußerer oder innerer Dunkelheit in Kontakt kommen. Der Herbst macht uns das Loslassen vor und auch die Rückbesinnung auf die Wurzeln, auf das, was uns Halt und Verankerung ermöglicht.

Immer wieder begeisternd ist für uns, die Vernetztheit des Wissens der verschiedenen Kulturen zu sehen: Aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Winterzeit auch das Nieren-Blasen-Prinzip zugeordnet (Element Wasser). Die Niere steht auch für Geburt und Tod, sie steht am Beginn und am Ende des Lebenszyklus, so wie der Same am Beginn eines Pflanzenlebens alles Potential des Lebens in sich birgt und nach der Keimung, dem Wachstum, der Blüte und Fruchtbildung der Pflanze wieder als Same in der Erde auf den nächsten Frühling wartet.

Wichtige Themen sind hier das Urvertrauen und die Sicherheit. Dass wir uns geborgen fühlen im Weltenschoß, genährt und versorgt sind und vor allem geliebt so wie wir sind. Doch leider haben wir als Menschenkinder dies nicht in Vollkommenheit erlebt und so kann es natürlich passieren, dass wir gerade in dieser Jahreszeit manchmal auch unseren Schmerzfeldern in der einen oder anderen Form begegnen. Wichtig ist hier, sich zu besinnen und zu verankern im Hier &  Jetzt. Der Atem ist immer ein gutes Hilfsmittel. Man kann seinen Fokus auf den Atem richten und die Wahrnehmung auf die Körperempfindungen lenken. Und das, was da ist, auf diese Art und Weise annehmen, ohne im „Wasser“ / „Gefühl“  zu versinken. In der liebevollen Annahme findet die Transformation statt. Die Erde gibt dem Wasser die Bahn, damit es ruhig dahinfließen darf und sich schließlich ins Meer ergießen kann, ohne das Land zu überschwemmen oder mitzureißen. Natürliche Flußläufe haben immer einige Schleifen und Mäander. Symbolhaft könnte man sagen, dass uns ähnliche Sachen öfters begegnen und doch sind es nie die selben Dinge, weil wir im Fluß des Lebens schon wieder ein Stück weiter sind.

Kurzgefasst: Traditionen in den dunklen Monaten

Die jetzige Jahreszeit ist nur so gespickt ist mit Symbolen für die Geborgenheit-schenkenden, tröstenden Muttergottheiten.

Der Beifuß ist das klassische Räucherkraut und damit wird auch die Martins- oder Weihnachtsgans gestopft: es ist das silbrige Kraut der Artemis, das uns in jeglichen Übergängen wohltuend begleitet und auf der ganzen Nordhalbkugel in den schamanischen Kulturen eine wichtige Rolle spielt. Die Martinsgans – die Gans ist ein Totemtier der Muttergottheiten und der Gänseflug symbolisiert auch den Seelenflug während der Meditation…. Die Gemeinschaft und Geborgenheit am wärmenden Herdfeuer, wo früher auch abends ganz viel gesponnen wurde…. Die leuchtenden Kinderaugen und Laternen am Martinsumzug hier bei uns im Dorf und anderswo (Licht hier auf der Erde, Symbol für das innere Licht, für die Kraft der Gemeinschaft und gegenseitigen Hilfsbereitschaft). An St. Barbara (4.12.) geht es unter anderem um die Kraft des Glaubens und um das Zu-Sich-Stehen, St. Nikolaus (6.12.) greift die Hilfsbereitschaft und Fürsorge auf…

Vom Sinnbild her ist die Vegetationsgöttin nun in die Unterwelt entführt, wo sie bis zum Frühling bleibt. Immergrüne Zweige werden ab dem Totensonntag (dieses Jahr am 24.11.) ins Haus gebracht, als Zeichen der Hoffnung und der Unsterblichkeit… Und der Adventskranz symbolisiert den Jahreskreis, weshalb die Kerzen im Sonnenlauf von Osten (1. Kerze), über Süden (2. Kerze), nach Westen (3. Kerze) und Norden (4. Kerze) angezündet werden)…

Viel könnten wir an dieser Stelle noch schreiben. Wir hoffen jedenfalls, dass unsere Begeisterung für diese Zeit Euch inspiriert und Ihr Euch in Eurer Verbindung zu Euren Innenwelten geborgen und wohlbehütet fühlt. Wenn nicht, mach doch mal die in diesem Artikel genannten Übungen in einem 1-2stündigen Rückzug in die Natur. Wir sind überzeugt davon, dass die Natur ein riesiges Heilpotential bietet.

Ganz herzliche Grüße, Patrick

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